Donnerstag, 12. Juli 2012

Heimkommen!

Ich sitze im Flugzeug. Flug LH 411. Es geht nach Hause. Freue ich mich mehr nach Hause zu kommen, oder werde ich Lateinamerika noch mehr vermissen?
Die letzten Tage habe ich noch genutzt Mexiko City kennenzulernen. 18 Millionen Einwohner sind schon eine stattliche Zahl. Und fast so viel hat die Stadt auch zu bieten. Eine Fülle von Museen und großartigen Bauten. Die drittgrößte Pyramide der Welt, die Sonnenpyramide sowie die Mondpyramide in der verlassenen Stadt Teotihuacan. Sie wurde um das Jahr 0 herum erbaut und war in der Folgezeit bis 650 nach Christus die grösste und wichtigste Stadt Amerikas und mit 200 tausend Einwohnern eine der grössten Städte der Welt. Die Ruinen sind zwar renoviert aber trotzdem sehr imposant und Sehenswürdig.
Ein hervorragendes anthropologisches Museum, welches einfach mehr Ausstellungsstücke und Geschichte enthält, als man an einem Tag aufnehmen könnte zählt zu den weiteren Schätzen der Hauptstadt. Selbstverständlich war ich auch im Tequila Museum sowie einem kleinen aber sehr feinen Museum für Popart und vielem mehr...
Natürlich bietet eine so grosse Stadt auch ein riesiges sehenswertes Zentrum, wo man einfach durch die Straßen schlendern kann, sich das bunte Treiben anguckt, jede Menge Tacos, Tortas und Gringas isst und einfach die Freundlichkeit der Mexikaner genießt.

Hier sitze ich nun in der Boeing 747. Eine wunderbare Zeit neigt sich unabdingbar dem Ende zu. Danke Argentinien. Danke Chile. Danke Bolivien. Danke Peru. Danke Ecuador. Danke Kolumbien. Danke Panama. Danke Mexiko. Danke Lateinamerika! Danke an alle wunderbaren Menschen welche ich im letzten halben Jahr kennengelernt habe. Sowohl liebevolle, hilfsbereite Einheimische, als auch andere Backpacker, welche meist interessante Geschichten zu erzählen hatten und zu jedem Spaß bereit waren.
Ich kann im Nachhinein nicht sagen, welches das Beste Land war. Sobald ich meine ich wüsste es, weiß ich sogleich, dass es nicht stimmt, weil in anderen Ländern die Landschaften ebenso eindrucksvoll, die Strände ebenso schön oder die Menschen ebenso nett waren. Jedes Land hat seine Geheimnisse und Charakteristika, welche in ein paar Worten in meinem Blog nicht zu erfassen sind. Man muss das einfach erleben. Wind, Wellen, Sonne, dünne Höhenluft, atemberaubende Landschaften, ganz anderes Essen und Gastfreundschaft kann man besser fühlen, schmecken und riechen als beschreiben. Ich habe viele neue Ideen und Ansichten gehört, welche auch mich bereichert haben. Im Allgemeinen wollen alle Menschen ja das gleiche. Glücklich, zufrieden ohne große Sorgen und in Sicherheit leben. Wie das jeder einzelne zu erreichen versucht ist allerdings sehr individuell. Und die Menschen hier auf der anderen Seite der Welt haben im Allgemeinen einen ganz anderen Weg vor Augen, als wir es in Deutschland oder der Schweiz kennen. Wir leben in einer Welt und doch ist es eine ganz andere Welt. Ich glaube sowohl die Europäer können etwas von den Latinos lernen als auch anders herum. Manchmal machen wir uns das Leben wohl einfach zu schwer. In puncto Gelassenheit können wir sicher einiges dazulernen. Andersherum habe ich hier viel politisches Durcheinander und Umweltprobleme gesehen. Da sind wir wohl eher Vorbild. Für viele Menschen ist Deutschland das Sinnbild von Paradies. Stabilität, Sicherheit, Arbeit. Ich habe stets versucht zu erklären, dass auch in Deutschland vieles fern vom optimalen Zustand ist. Im Vergleich zu Umweltproblemen und der Armut, welche ich hier gesehen habe, ist Deutschland aber vielleicht doch ein Paradies. Wer sich in Deutschland als arm bezeichnet ist noch Meilen von dem Zustand entfernt, was hier als arm aufgefasst wird. Aber einen Vorteil haben die armen Menschen in Süd- und Zentralamerika. Sie sind einfach generell glücklich und genügsam. Und lassen Probleme Probleme sein. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich diese wundervolle Reise machen konnte. Die Erinnerungen werden mich wohl für den Rest meines Lebens begleiten. Ebenso die Sprache, welche mir ans Herz gewachsen ist. Auch Spanisch werde ich nun für den Rest meines Lebens sprechen können.
Und jetzt freue ich mich einfach auf zu Hause. Auf meine Familie, welche meine Reise stets verfolgt und unterstützt hat. Auf Hanna, welche mich so lange entbehren musste, und mit welcher ich doch die ganze Zeit in Kontakt stand. Auf meine Freunde um mal wieder zusammen richtig einen drauf zu machen, kicken zu gehen oder einfach zu erfahren, was zu Hause so alles im letzten halben Jahr passiert ist. Es geht immer weiter. Immer nach vorne. Kein Grund die Reise zu vermissen, weil ich weiß, dass zuhause schon 1000 Dinge auf mich warten, auf welche ich mich freue. Leute es ist Zeit Heim kommen. Und ja, ich sitze hier im Flugzeug und freue mich schon riesig alle wieder zu sehen, durch Konstanz zu schlendern, im See baden zu gehen und nach Zürich rüber zu fahren. Ich hoffe, ich konnte euch stets mit meinen Berichten ein wenig unterhalten und habe ja vielleicht beim einen oder anderen ein wenig Fernweh geweckt. Hiermit werde ich meinen Blog nun so beruhen lassen wie er ist. Hasta luego!

P.S. Danke für das wunderbare Willkommenskomitee am Bahnhof, inklusive Willkommenslied!

Montag, 9. Juli 2012

Mexiko - das Ende naht...

Ich habe es geschafft! Ich bin in Mexiko. Es war zwar nicht geplant Zentralamerika zu überfliegen, aber hier bin in nun. Im Land der Tacos und Tortillas, des Tequila, der Sombreros, der VW-Käfer und der Heimat von Machete!
Leider bleiben mir nur 12 Tage. Viel zu wenig für ein Land mit so viel antiker und gegenwärtiger Kultur.
Nachdem ich in Mexiko City angekommen bin, habe ich mich gleich am nächsten Tag in den Bus nach Acapulco gesetzt.
Dass zwei Tage zuvor zwei Polizisten von einem anderen Polizisten im Flughafen erschossen wurden habe ich erst später erfahren. Aber hier tummelt es auch nur so von Polizisten und Militärs. Und die haben alle große Sturmgewehre. Und wo es so viele Waffen gibt, gibt es zwangsweise auch viele Tote. Die Gründe der Morde sind unterschiedlich - in Mexiko stehend aber fast immer die Drogenkartelle dahinter. Die amtierende Regierungspartei hat den Kartellen a la Kolumbien seit 12 Jahren den Kampf angesagt. Bisher erfolglos, was man erreicht hat, ist eine schier endlose  Gewaltspierale.
Die USA, wichtigster Waffenlieferant und Drogenabnehmer Mexikos, wollen gerne wissen, in wessen Hände ihre exportierten Tötungsmaschienen gelangen und haben wohl in einer Operation namens "Fast and Furious" bewusst Waffen an Kastelle geliefert um sie zu verfolgen. Nicht nur, dass die"laufenden" Waffen hunderte Mexikaner umgebracht haben - sie haben sich auch zurück gegen ihre heimlichen Exporteure gerichtet und US-Amerikaner getötet. Das kommentierte der mexikanische Präsident, welcher nicht in die Operation eingeweiht war in so weit: "Ihre Waffen kamen schnell und unsere Antwort war Furios."
Und dann ist da noch die Sache mit der Grenzstadt, welcher 2010 mehr Menschen ermordet wurden als im gleichen Zeitraum in ganz Afghanistan.
Jessica, Nikos Tochter, hat mich hier über Facebook mit ihrem Cousin Rodrigo in Verbindung gebracht. Er wohnt dort zusammen mit seiner Mutter Aurora, welche richtig gut kocht, und seiner Tante Zocorro, welche sich sehr über ihren deutschen Besuch gefreut haben und sich unglaublich fürsorglich um mich gekümmert haben. Ein kleiner Vorgeschmack aufs Heimkommen?
So habe ich Acapulco vom reichsten bis zum ärmsten Viertel vorgeführt bekommen. Laut Socorro hat die Stadt viel von ihren ehemaligen glamourösen Ruf eingebüßt. Es eine interessante Stadt mit breiten Sandstränden, aber einfach zu vielen Hochhäusern dahinter. Aber nicht fern vom Zentrum gibt es gleich malerische Sandstrände und Lagunen, zu welchen ich einen Ausflug mit Socorro gemacht habe. Besonders der nette Besitzer eines kleinen Restaurants auf der "Insel der Fischer" war mir ein gutes Fotomotiv...
Vergangenen Sonntag waren hier Wahlen.
Rodrigo arbeitet im Wahlkampf für einen Kandidaten der Grünen, welche hier allerdings konservativ sind und ein Wahlbündnis mit der PRI eingegangen sind, der Partei der institutionellen Revolution, welche Mexiko bis zum Jahr 2000 diktatorisch für über 70 Jahre regierte. Weder Rodrigo noch ich können diese Partei unterstützen, doch hoffte er natürlich, dass sein Arbeitgeber ins Parlament einziehen würde. So gingen wir mit großen Erwartungen schon früh am Morgen zu den Wahlkabinen. Im Verlaufe des Tages zeichnete sich ab, dass die PRI die nationalen Präsidentschaftswahlen tatsächlich gewinnen sollte - nicht aber die Wahl des Senators aus Acapulco. Somit war alles schief gelaufen, was schiefgehen konnte. Keine Wahlparty. Und Aurora kleidete sich die nächsten zwei Tage schwarz. Sie glaubt, dass die Drogenkartelle das Land mit der PRI Hand in Hand regieren werden.


Es war schwer mich von  Acapulco zu verabschieden, aber es war an der Zeit mit dem Nachtbus nach Puerto Escondido zu fahren. Hier unten ist die Pazifikküste so offen, dass der Strand Wellen zu bieten hat, wie ich sie so noch nie gesehen habe. Die Größe ist schwer zu schätzen, aber die Großen sind bestimmt 5m hoch - bei gutem Wetter. Es ist nicht einmal möglich raus zu schwimmen. Zu kraftvoll wird man von den Riesen überrollt. Sie kommen an, bäumen sich auf und werden immer spitzer und höher. Dann brechen sie und die Gischt dominiert den Strand. Hier surft die Weltspitze die sich sonst auf Hawaii trifft - ich sicher nicht.

Das Städtchen hat viel zu bieten. Es ist eine der günstigsten Regionen Mexikos und so konnte ich mir ein traumhaftes Privatzimmer im Dachgeschoss mit Balkon und Hängematte leisten. Eigentlich gab es keinen Grund die Hängematte zu verlassen. Doch der Hunger kann mich fast überall hin schleppen. Und essen kann man in Mexiko richtig gut. Abgesehen von den argentinischen Steaks und Empanadas ist die mexikanische Küche wohl die Beste meiner Reise. Und man bekommt im Restaurant auch immer seine Tortillas, sodass man sein Essen einrollen kann. Vorher gibt man natürlich Jalapeños dazu. Es gibt hier mehr Gerichte, als ich mir auf die Schnelle Namen merken kann.

Hier am Stadtstrand hat mich auch Francisco  bei einem Bier aufgegabelt. Er hat mich davon überzeugt, mit ihm Fischen zu gehen. Gefangen haben wir nichts. Aber dafür konnte mit einer Wasserschildkröte schwimmen!

Bevor ich meine Sachen packe gehe ich ein letztes Mal im Pazifik baden. Es wird das letzte Mal für lange Zeit sein. Wer weiss, wann ich dazu das nächste Mal die Möglichkeit habe. Ja, ich bin nun mal in der letzten Woche meiner Reise. Ein bisschen Wehmütig ist mir zumute, dass diese wunderbare Zeit nun bald zu Ende gehen wird. Aber ich freue mich ja auch schon wieder auf Zuhaus'.
Als ich den Nachtbus  nach Oaxaca bezahle merke ich wieder, dass ich in einer richtig günstigen Region bin. Ca. 8€. Und während ich stundenlang durch die mexikanische Nacht fahre, beobachte ich den Busfahrer, wie er den Schlaglöchern ausweicht. Und von denen gibt es endlos viele. Die ganze Nacht lang. Ich muss daran denken, wie viele tausend Kilometer ich jetzt schon in Bussen zurückgelegt habe. Gute Straßen waren stets die Ausnahme. Aber ich bin immer gut angekommen. Und auch wenn hier die besseren Busse von der Polizei eskortiert werden - es geht ja doch meistens alles gut. Die Mehrheit bekreuzigt sie auch brav bei der Abfahrt oder wenn wir an Kirchen oder Marienstatuen vorbeikommen. Da müssen wir ja gut ankommen! Und der günstige Bus, den ich für diese Nacht ausgewählt habe, hat auch einen Vorteil. Er hat zum Glück keine so potente Klimaanlage wie seine teureren Pendants. Diese Klimaanlagen haben mir sowieso schon einen Schnupfen eingebrockt. Wer eine hat lässt sie hier nämlich laufen. Auf Vollgas. Immer. Die ganze Nacht.

Die vorletzte Station meiner Reise ist Oaxaca. Eine wunderschöne Stadt, gutes Essen, nette Menschen und eindrucksvolle Ruinen. Die Altstadt lädt dazu ein einfach rumzuschlendern und Mole, eine regionale Spezialität, zu essen. Was mir an Mexiko sehr gut gefällt, ist, dass mir nicht die ganze Zeit Touristenpreise angeboten werden. Richtig angenehm und freundlich.


Monte Alban, DIE Sehenswürdigkeit Oaxacas, wurde als zeremonielle Stätte für Gebete, Opferungen und Märkte von den Zapotecos errichtet. Das indigene Volk gibt es noch immer (noch heute werden 16 verschiedene Sprachen im Distrikt Oaxaca gesprochen) ihre Kultur und Sprache droht allerdings verloren zu gehen, wie ich es schon in so vielen Regionen gesehen habe. Aber man kann den Menschen ja auch nicht vorwerfen, dass sie auch die Vorzüge der Moderne genießen möchten. Ihre antiken Rituale mit Grabbeigaben, Pyramitenartigen Konstruktionen, verschiedenen Göttern und der Ausrichtung nach Gestirnen erinnert mich sehr an die antiken Ägypter. Interessant, wie zwei Kulturen so wir voneinander entfernt so ähnliche Kulturen entwickelt haben.

Auch die Magie des Tule Baums habe ich mir nicht entgehen lassen. Seit über 2000 Jahren hat er alles überdauert. Heute ist er 58 Meter hoch, hat einen Stammdurchmesser von 14 Metern und wiegt 636 Tonnen. Er hat die antiken Kulturen genauso gesehen wie die Ankunft der Spanier. Und außerdem ist er das Zuhause Tausender Vögel und anderer Tiere.