Dienstag, 29. Mai 2012

Salento und Bogotá - Kaffeeparadies in den Bergen und die Hauptstadt

Salento ist ein eigentlich bedeutungsloses größeres Dörfchen mitten in Kolumbien, eingebettet zwischen saftig grünen Bergen. Und genau dass macht Salento so schön. Die Ruhe und die Natur. Klimatisch herrschten hier ideale Bedingungen um richtig feinen Kaffee anzubauen. Fruchtbarer Boden, genügend Wasser, niemals wirkliche Kälte aber kühle Nächte. Für 4 Nächte habe ich hier auf einer selbsternannten Öko-Farm gewohnt in mitten grüner Bäume und Wiesen. Hier habe ich mit Lotte, Naryan und Emma das Landleben voll ausgekostet. Wir waren einmal morgens in der Früh Kühe melken und zwei mal zu Pferde unterwegs. Mit der Reiterei habe ichs allerdings recht übertrieben und mir meinen Hintern im wahrsten Sinne des Wortes blutig geritten. Kommt davon wenn man's nicht gewohnt ist...

Ziel des ersten Ausritts war eine ökologische Kaffee-Finka. Hier würde uns der gesamte Prozess des Kaffeeanbaus und der Verarbeitung erklärt. Und zum Anschluss der Tour gabs einen Kaffee mit den selbsproduzierten Bohnen. Ein wahrer Genuss. Nach knapp 5 Monaten Reise der erste richtig gute Kaffee. Guter Kaffee ist Südamerika so schwer zu finden weil dieser fast vollständig exportiert wird. Aber hier wissen es die Menschen zu schätzen einen Teil selbst zu konsumieren. Im Kaffee am Dorfplatz gibt's sogar eine 107Jährige original italienische Espressomaschine. Und die wird selbstverständlicherweise immernoch benutzt.


Höhepunkt war der Ausflug ins Valle de Cocora. Alte, schöne Geländewagen aus den 50er Jahren (das normale Fortbewegungsmittel hier oben) fahren regelmäßig in dieses unwirkliche Tal voller Wachspalmen. Die Schönheit dieses atemberaubenden Ortes ist einzigartig. Die Wachspalme wird bis zu 70m hoch und wirkt mit ihrer Schlankheit fast unecht. Weiter hinten im Tal und höher in den Bergen gibt es wohl noch größere Palmen. Dort konnte man vor einigen jahren jedoch unbewaffnet nicht hingehen, da diese Gebiete fest in der Hand der FARC  waren. Erst hardliner Präsident Uribe, welcher 2002 an die Macht kam, konnte die Guerillas in die wirklich aller hintersten Winkel Kolumbiens zurückdrängen. Es gibt sie zwar immer noch - aber ihre Macht haben sie durch allgegenwärtige Militärpräsenz zu einen großen Teil verloren. Auch die einfachen Menschen, welche die FARK früher einmal unterstützt haben, haben ihre Meinung geändert. Die Rebellen sind fast nirgendwo mehr willkommen. Das heißt aber natürlich nicht, dass das Problem gelöst wurde. Es wurde vielmehr verschoben. Kolumbien ist leider immer noch weit davon entfernt ein Land ohne Korruption und Guerillas zu sein. Aber zumindest städtische Regionen sind recht sicher. Abgesehen von den "normalen" Ueberfällen, wie es sie hier in jeder Grossstadt gibt. Man könnte sich sogar richtig sicher fühlen, wenn man nicht wüsste, dasss e mehr gibt als man sieht. Der Grossteil der Bevoelkerung ist leider immer noch sehr arm.

Nach Salento habe ich mich in den Bus nach Bogotá gesetzt. Zurück in die Zivilisation. Zurück in den Lärm einer Großstadt. Am Terminal wurde ich gleich freundlich von Daniel, seinem Mitbewohner Carlos und einen weiteren Freund abgeholt. Gib dort aus sind wir direkt ins Kino gegangen. Man in Black 3 - in 3D. Ja, hier in Bogotá gibt es Shopping- und Erlebniscenter wie in Europa. Ausserdem gibt es hier richtig viel Kultur, für garantiert jeden Geschmack. Ein weiteres mal hat mich Kolumbien erstaunt. Hab ich wieder mal was dazu gelernt. Auch wenn es immer noch den Kampf gegen die Guerillas gibt, heißt das nicht, dass der Rest vom Land still steht. Für den Verkehr in Bogotá trifft das allerdings zu. Im Zentrum geht morgens und abends gar nichts.

Wenn man in Bogotá ist, darf man sich auf keinen Fall das Goldmuseum entgehen lassen. Die Bank von Kolumbien hat hier bereits über 34000 Gold-, meist Schmuckstücke zusammen gesammelt und stellt diese nun der ganzen Welt zur schau. Diese Sammlung ist sicherlich einzigartig und ein Beleg für die damalige Fortschrittlichkeit und den künstlerischen Sinn der indigenen Völker. Sie waren hervorragende Schmiede und Töpfermeister. Fur mich ist das interessante im Vergleich zu europäischen indigenen Zeugnissen, dass hier eine ganz andere Symbolik benutzt wurde. Fledermäuse, Frösche, Echsen und Vögel. Keine Löwen und Bären...

Dienstag, 22. Mai 2012

Te amo Colombia!

Kolumbien ist unbeschreiblich. Kolumbien ist ein Lebensgefühl. Kolumbien ist Fiesta, Salsa und Gastfreundschaft. Kolumbien ist einfach großartig, ich liebe dieses Land bereits nach 5 Tagen!
Insbesondere die Hilfsbereitschaft der Menschen macht dieses Land zu einem Erlebnis. Und dafür habe ich in den letzten Tagen bereits mehr Beispiele erlebt, als ich hier wiedergeben könnte.
Sei es der Polizist, der uns nach Dämmerung aus dem Park begleitet hat und am nächsten Tag zum Busbahnhof gebracht hat oder die Studenten, welche uns im Naturhistorischen Museum von Popayan herumgeführt und später zu einer Hausparty ihrer Freunde eingeladen haben. Diese Party war übrigens einzigartig. Die Großeltern völlig entspannt bis morgens um 4 uhr im Wohnzimmer während die Jugend auf dem Dach zu Salsa, Rumba, Cumbia und Reggaeton tanzt. So funktioniert Kolumbien. Und alle sind glücklich und zufrieden.
Somit war meine erste Station in Kolumbien, die Studentenstadt Popayan, eine perfekte Begrüßung. Und ganz nebenbei hat Popayan auch ein wunderschönes altes koloniales Zentrum und ähnelt sehr den Städten Cusco und Sucre.

Auch die Landschaft hier ist wunderschön. Der Süden den ich bis jetzt gesehen habe ist voller saftiger grüner Hügel und Fincas, in welche die Kolumbianer übers Wochenende gehen. Generell hätte ich nicht gedacht, dass dieses Land, welches bis vor nur wenigen Jahren durch den Terror und die Gewalt der Drogenkartelle gepeinigt wurde, über einen solch relativen Wohlstand verfügt. Und dank einiger Abkommen mit den USA boomt auch der Kommerz was zu glitzernden "centros comerciales" führt, in welchen man jeglichen erdenklichen Elektronikartikel kaufen kann. In den Straßen hingegen hangele ich mich von Saft- zu Saft- zu Früchtestand. Kolumbien ist auch ein Genuss für den Gaumen.
In Cali habe ich mich mit Daniel, einem Freund von meinem Freund Tobias getroffen. Da Cali die Stadt des Salsa ist sind wir am Samstagabend mit seiner Freundin und anderen Kollegen in eine Salsa-Bar gegangen. Über die Tanzkünste der Caleños konnte ich nur staunen. Jedem scheint hier der Rhythmus in die Wiege gelegt worden zu sein.

Für die folgenden zwei Tage hat mich Daniel zum Campen mit Freunden eingeladen. So haben sie mich an nächsten morgen abgeholt und nach San Cipriani, einem Nationalpark an der Pazifikküste, mitgenommen. Ein sehr beliebter Park für kolumbianische Wochenendtouristen, ausländische Touristen schaffen es jedoch kaum bis hier hin. Nach 3 Stunden kurviger Fahrt haben wir das Dörfchen erreicht. Von dort aus führen nur Gleise in den Park. Einen Zug gibt es jedoch nicht. Dafür aber selbstgebaute Wagons, welche hauptsächlich aus Brettern mit viel zu kleinen Rädchen bestehen und von Motorrädern angetrieben werden, welche mit dem Hinterrad ebenfalls auf der Schiene fahren. Abenteuerlich und absolut chévere (cool).
Im Park angekommen, haben wir unser Zelt aufgeschlagen und sind im Fluss baden gegangen. Eigentlich ist es hier viel zu heiß, aber der Regen kühlt ab.  Man könnte auch sagen, eigentlich regnet es hier viel zu viel, aber man läuft einfach den ganzen Tag in der Badehose herum. Diese feuchtheissen klimatischen Verhältnisse resultieren in einem wunderschönen Regenwald und einer sehr entspannten Lebensweise. De Facto fühlt man sich hier wie im tiefsten Dschungel Afrikas, da die ehemaligen Sklaven heute die gesamte Pazifikküste bewohnen und zumindest hier heute ihren Lebensunterhalt damit verdienen die Touristen in den Park zu fahren oder im Park zu bekochen.


Die Hauptattraktion ist es jedoch den Fluss auf Gummischläuchen herunterzufahren. Dafür können die Kolumbianer eigentlich hierher. Dazu trinken auch gerne Alkohol, was in einem Fall zu einem weniger schönen Zwischenfall geführt hat. Zuerst dachten wir, dass das Pärchen Flussaufwärts Spaß machen würde, doch dann haben wir erkannt, dass sie tatsächlich um Hilfe riefen. Also haben wir alle Kraft zusammengenommen und sind so schnell wir könnten zu ihren geschwommen. Das Mädchen war zwar nicht weit weg vom Ufer, war aber von Reifen gefallen und konnte offensichtlich nicht schwimmen. Ihr Freund konnte ihr jedoch auch nicht helfen - vermutlich weil er völlig auf Drogen war. Anders konnte ich mir das nicht erklären. Wir sind zum Glück gerade noch rechtzeitig angekommen um sie aus dem Wasser zu ziehen und halbwegs zu beruhigen. Ich möchte nicht wissen wie das sonst ausgegangen wäre. Die Zwei waren wie paralysiert, das Mädchen meinte sie habe den Tod bereits gefühlt - aber wie kann man auf einem Reifen den Fluss runterfahren ohne schwimmen zu können, ohne Schwimmweste und unter Drogeneinfluss???
Angesehen davon haben wir die zwei Tage sehr genossen und an Lagerfeuer stundenlang darüber geredet wie und warum Kolumbien einfach anders als der Westen ist. Daniel meint, das viele Probleme, welches das Land in der Vergangenheit hatte darauf zurückzuführen sind, dass man damals hier einfach versucht hat das Land europäisch zu organisierten. Aber das geht nicht. Kolumbien ist nicht in Europa, Kolumbien ist im Regenwald, in den Anden und in der Karibik. Das Leben ist anders, die Mentalität ist anders. Dementsprechend muss auch die Organisation anders sein. Kolumbianisch. Nicht besser, nicht schlechter. Anders.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Quito - la Mitad del Mundo

So weit habe ich es nun geschafft, del fin del mundo hasta la mitad del mundo (vom ende der Welt bis zur Mitte der Welt).
Im Bus dorthin habe ich Tatiana getroffen. Die Ecuadorianer sind wirklich sehr offen und freuen sich unheimlich Geschichten vom Reisen oder aus Europa zu hören. Für sie ist es kaum zu glauben, dass ich ein halbes Jahr ohne Familie oder Freunde unterwegs bin. Die Bindung zur Familie ist hier so stark, das man es sich kaum vorstellen kann längere Zeit wegzugehen. Tatiana hat zum Beispiel noch nie ihr Land verlassen. Das ist aber natürlich auch eine Frage des Geldes. Sie verdient zum Beispiel keine
350 Euro - mit Marketingstudium.
22km nördlich von Quito verläuft der Äquator. Auf unserer Erde gibt es nun natürlich viele Kilometer Äquator, da mag man sich fragen, was ab diesem so speziell ist. Der Grund ist die Hohe über dem Meer. Nur hier war es Charles-Marie de la Condamine bereits 1736 gelungen den Äquator mit aufwendigen Messungen zu bestimmen. An allen anderen Stellen des Äquators war dies zuvor nicht möglich gewesen, da er sonst immer durch Regenwälder oder Ozeane verläuft. Als ich also mit Bram Sonntag Nachmittag  den Äquator bestaunen war, mussten wir feststellen das Ecuadorianer auch gerne zu Scharen - insbesondere am Muttertag - die Mitte der Welt bestaunen. Schade nur, das sich die Mission von 1736 um knapp 300m geirrt hat. Um so spaßiger sind dann auch die Experimente, welche verschiedene Museen direkt auf ihrem jeweiligen Äquator vorführen. Angeblich sich anders herum drehende Toilettenspülungen nördlich und südlich des Äquators oder Becken, welche aufgrund ihrer angeblichen Lage auf dem Äquator keinerlei Drehrichtung aufweisen. Jaja, die Corioliskraft, funktioniert sie doch leider nur in größeren Dimensionen...

Der tatsächliche Äquator verläuft dann jedoch entlang der Hauptstraße und schneidet auch ein Restaurant. Somit konnten wir ein Bier auf den tatsächlichen Äquator trinken fernab vom restlichen Trubel. Doch selbst hier gab es ein "Experiment" zum Selbstversuch. Das "ganz normale" Ei, das auf dem "ganz normalen" Tisch, welcher auf dem Äquator steht, aufrecht hingestellt werden kann. Und während wir uns noch freuen, dass das Ei endlich ausbalanciert ist, kommt ein älterer Herr um die Ecke und flippt fast aus vor Erstaunen. Sämtliche Fotos werden geschossen, seine Frau eilig dazu geholt. Sie kann es nicht glauben und stößt unser mühsam ausbalanciertes Ei um - und macht sich an die Arbeit den Äquator erneut per "Ei-Methode" zu finden. Als sie es geschafft hat, kam sie aus ihren eigenen Staunen kaum mehr raus und wollte, sobald sie sich etwas beruhigt hatte, jede Menge Fotos mit den lustigen Gringos und dem Äquatorei. An diesem Nachmittag waren wir eindeutig die Attraktion im Restaurant und jeder durfte sein Gringo-Foto machen.

Sehr auffällig ist, dass das Leben im hochgelegenen Quito zwar in vielen Fallen dem Leben im bolivianischen oder peruanischen Hochland ähnelt, die Menschen aber viel offener, interessierter und somit freundlicher zu Fremden sind. Somit war die tatsächliche Mitte der Welt wesentlich lustiger, als das riesige touristische Monument, welches nicht mal am richtigen Ort steht. Im Übrigen haben sogar die Ureinwohner vor über 1000 Jahren schon den Äquator bestimmt und zwar im Gegensatz zur französischen Mission korrekt...
Ansonsten angesehen von einigen prächtigen Kirchen hat Quito meiner Meinung nach nicht allzuviel zu bieten. Es ist vermutlich die gefährlichste Stadt die ich bisher bereist habe. Man wird einfach sehr in seiner Freiheit eingeschränkt, wenn man nach Sonnenuntergang, um 18 Uhr nicht mehr alleine durch die Stadt laufen sollte. Hinzu kommt, das circa 30% der Autos und Taxis kein Nummernschild haben. Das macht die Sache nicht vertrauenswürdiger...

Allerdings ist Quito von Bergregenwäldern oder Nebelwäldern umgeben. Das sind wunderbare und unheimlich diverse Wälder, welche einen aufgrund der Berglage und der hohen Luftfeuchtigkeit allerdings ziemlich ins Schwitzen bringen. In dieser schönen Natur war ich mit Bram Ziplining machen - an Stahlseilen über grüne Schluchten fliegen. Einzigartig!

Donnerstag, 10. Mai 2012

Puerto López - entspanntes Fischerdörfchen

Ich nähere mich dem Äquator! Willkommen in Ecuador! Nach fast einem Monat Peru war es an der Zeit weiter zu ziehen. So hat es mich als erstes nach Puerto López verschlagen. Ein kleines Fischerdörfchen, welches nur im so genannten "Sommer" (Juni bis August) touristisch ist. Im dortigen "Sommer"  welcher aufgrund der Lage südlich des Äquators eigentlich ein Winter ist ist es nicht ganz so heiß und trockener.
Noch in Máncora habe ich Bram aus Belgien getroffen.
"Wohin gehst du?" Ecuador "Ich auch, wohin genau?" Puerto López "Haha, ich auch! "Perfekt, gehen wir zusammen..."
Und so hängen wir die nächsten Tage gemeinsam gechillt.
Die staubigen Straßen des Dörfchens haben nicht viel zu bieten. Es ist vielmehr die entspannte, fast karibische Atmosphäre und der Stand, welche zum Verweilen einladen. Bis zum Sonnenuntergang surft die Jugend oder spielt Volleyball. Danach genießt man den Abend in der Strandbar. No hay problem...

Die Hauptattraktion ist jedoch die Isla de la plata. Die Galapagos Insel für Arme - und Beine. Mit dem Motorboot sind wir dort zur unter Naturschutz stehenden Insel gefahren und haben uns hauptsächlich die Vögel angeschaut. Die Insel verdankt auch ihren Namen den Exkrementen der Vögel, welche in der Morgensonne auf den Felsen silbrig schimmern.
Zurück auf dem Boot wurden wir bereits vor dem Schnorcheln von zwei großen Meeresschildkröten überrascht. Unter Wasser bin ich dann noch über einer anderen geschwommen und natürlich inmitten zahlreicher Fische mit sämtlichen Farben.
Super Sache!
Südlich des Dörfchens liegt der Playa de los Freiles. Am einfachsten per Mototaxi zu erreichen. Ich weiß nicht, ob ich in meinem Leben schon mal einen schöneren Stand gesehen habe. Hinzu kommt eine Wassertemperatur von gefühlten 30°C. Dazu noch unsere mitgebrachten Früchte (Wassermelone, Ananas, Bananen, Litchis und Maracuyas) und der Tag ist perfekt.

Sonntag, 6. Mai 2012

Máncora - Strandparadies am Atlantik

Ein paar Tage relaxen. Das war die Idee. Und mit Máncora habe ich dafür den perfekten Ort gefunden. Hier gibt es einfach nichts anders zu tun als am Stand, in der Hängematte oder an der Bar abzuhängen. Zwischendurch habe ich noch Wellensurfen gelernt - und habe prompt meine erste Welle super erwischt. Super Sache wenn man so vor der Welle gleitet. Das Rauspaddeln ist fast das Schwierigste. Nach ein paar Wellen muss man sich dann erstmal im Palmenschatten erholen.
Zu den Sonnenuntergängen hat sich jeweils das halbe Hostel am fast privaten Stand versammelt. Die Einen mit 'nem Bier, die Anderen mit einem Yoga-Sonnentanz. Vermutlich muss ich nicht erwähnen  welche Variante ich gewählt habe...
Aber im Prinzip geht es hier einfach uns genießen. Viele Gäste bleiben hier Wochen oder Monate hängen. Es ist schön. Aber wie gesagt, es gibt nicht viel zu tun.
Gekrönt wurde mein Aufenthalt durch die Vollmond-Party. Dazu hat sich das halbe Städtchen in unserem Hostel versammelt. Schon praktisch wenn die Zimmertür nur 3 Meter vom Dancefloor entfernt ist.
Und als ich heute Abgereist bin, habe ich mich vom Bar-Team fast wie von alten Freunden verabschiedet.
Kleines Paradies am Pazifik...

Dienstag, 1. Mai 2012

Iquitos - Welcome to the jungle

Letzte Woche habe ich mich mit Ueli, einem Studienkollegen, im Chaos von Lima getroffen. Dort haben wir noch gemeinsam eine Nacht die Zivilisation genossen bevor wir uns in den Flieger nach Iquitos gesetzt haben. Iquitos ist dir größte Stadt der Welt, welche keine Anbindung ans Straßennetz hat. 500000 Menschen am Ursprung des Amazonas umgeben von endlosen Wassermassen, wilden Tieren, Moskitos und Dschungel.
Bereit für eine Woche Urwald? Fast - mein Gepäck ist dank meinem Campingkocher nicht durch den  Sicherheitscheck am Flughafen in Lima gekommen. Netterweise hat mir das die Stewardess gerade gesagt, als wir ins Flugzeug eingestiegen sind. Aber einen echten Abenteurer kann das natürlich nicht schocken. Das nötigste habe ich mir in Iquitos gekauft. Somit gabs eine Woche Dschungeltour mit einer Jogginghose, 2 T-Shirts, 5 paar Socken und 5 viel zu engen Unterhosen.
Am Flughafen hat uns Antonio abgeholt. Er ist ein bekannter von Uelis Vater und unser Guide. Es stelle sich heraus, dass er zwar hilfsbereit uns freundlich war, aber mindestens auch genau so unorganisiert. Fortbewegt haben wir uns mit dem Mototaxi seines Sohns, so eine Art dreiraedriges Motorrad mit Dächle. Nach einer Nacht in Iquitos haben wir an nächsten morgen unsere Gummistiefel abgeholt und uns ins Taxi nach Nauta gesetzt, welches wir nach 1,5h Fahrt vorbei an Fischzuchtfarmen und extensiven Bananenplantagen erreicht haben. Dort hat Antonio noch gekauft was er zuvor vergessen, hatte und dann gings auch schon los. Wir haben uns spaßeshalber noch Macheten zugelegt, was sich später allerdings als sehr wichtig herausstellte. Schließlich braucht man die im Urwald und Antonio hatte natürlich keine Machete dabei.

Unser Bötchenfahrer Jasinto, seine Frau Miriam und ihr Sohn Wilson haben uns per Boot ins 2 Stunden entfernte Libertad geschippert. Dort wohnen sie mit circa 50 anderen Familien am Ufer des Flusses Ucayali, welcher ein paar Meter unterhalb des Dörfchens mit einem anderen Fluss fusioniert und von dort an Amazonas heißt. Da hier immer noch Regenzeit ist, steht fast das ganze Gebiet unter Wasser, so auch das Dorf. Zum Glück haust man hier in Pfahlbauten. Doch selbst in den Hütten war der Boden überflutet, sodass sie einen zweiten, höheren Bretterboden hinein gelegt haben. Die Kinder freuts am meisten. Die Schule ist überschwemmt und der Unterricht ist seit über 2 Monaten ausgefallen. Dafür können sie im ganzen Dorf baden und mit ihren Einbäumen rumpaddeln.

Zum Abendessen gabs eines der zwei Hühnchen die wir dabei hatten. Genick durch, Federn runter, ausnehmen, zerteilen und in die Panne. Das geht so schnell, das es noch warm ist, bevor es auf den Herd kommt. Am Abend hat sich dann herausgestellt, dass und Miriam und Wilson ebenfalls auf unsere Dschungeltour begleiten werden. Als Köchin und Helfer für alle Fälle. Nach einer nicht besonders erholsamen, heißen Nacht unterm muffigen Moskitonetz sind wir mit unserem Team erst über Flüsse, dann querfeldein durch den Wald geschippert. Hier haben wir bereits verschiedene Affen, Papageien und Delfine gesehen. Ein Höhepunkt war sicherlich das Faultier, welches Wilson von circa 15m Hohe vom Baum gescheucht hat. Bei Gefahr lesen sich die Viecher einfach fallen - schließlich können sie zu Fuß nicht schnell fluchten. Faultiere sind steinhart, stinken, sehen lustig aus uns werden nicht besonders gern in der Hand gehalten. Um so froher war es, als es wieder an den Stamm gesetzt wurde. Das war im übrigen gar nicht so leicht, da es sich bereits an unser Boot gekrallt hatte.

Je länger wir auf der Suche nach einem brauchbaren brauchbaren Ort für unser Lager waren, desto stärker erhCrtete sich unser verdacht, dass weder Antonio noch Jasinto das Gebiet wirklich kannten. Nachdem wir einige Kreise gedreht hatten und mit unseren Macheten immer neue Schneisen als Verbindungen zwischen den Lagunen ins Dickicht geschlagen hatten, fanden wir schlussendlich ein Stückchen unüberschwämmten Wald. Hier haben wir unser recht einfaches, Abenteuerliches Camp aufgeschlagen. Für 2 Nächte sind wir an diesem Ort voller Moskitos uns anderer Insekten irgendwo im Nirgendwo geblieben.

Dort haben wir Taranteln, Skorpione, eine Schlange, gefährliche Riesenameisen und Kaimane gesehen. Einen Kaiman haben wir sogar für ein Foto aus den Wasser geholt. Natürlich hatte Antonio keinerlei Medikamente dabei, falls uns eines dieser Schmusetierchen angreifen sollte.

Nach der zweiten Nacht ging dann auch unser Wasser aus und wir mussten unseren Kaffee mit Amazonaswasser aufbrühen. Ohne Kaffeepulver ist dieses bereits braun und schmeckt schon modrig. Fein! Dazu gab es Fisch in rauen Mengen, da sich über 60 Flossentiere über Nacht in unseren Netz verfangen hatten. Bei dem Versuch die Fische zu fotografieren hat sich meine Kamera leider in deren natürliches Habitat begeben und hat danach mehr oder weniger den Geist aufgegeben. Zum Glück hatte Ueli auch einen Fotoapparat dabei, so könnten wir sich den Rest der Weiche festhalten.
Nach einigem Rumgeirre hatten wir dann nach 2 Nächten wieder den Weg nach  Libertad gefunden und erneut eingekauft, was Antonio vergessen oder falsch bemessen hatte. Danach gings weiter nach Pumayacu , einem Ort, den unser Guide immerhin kannte. Auf dem Weg dorthin mussten wir illegale Holzfäller beobachten, wie sie die Stämme der Urwaldriesen die Flüsse runtertreiben lassen. Ein gesamter Baum ist hier gerade mal 7€ wert, mehr nicht. Aber genug, dass jemand den Job gerne ausführt. Und verarbeitet ist das Holz dann bei uns tausend mal mehr wert.

Am anderen Ort angekommen haben wir ein neues Lager errichtet. Das Essen war jedoch bereits seit 3 Tagen mehr oder weniger das gleiche. Spiegeleier, gebratene Bananen, Fisch und Reis in verschiedenen Kombinationen morgens, mittags uns Abend. Gewürzt mit einer geben Kombination aus Salt und Salz. Nach erfolgloser Jagt mit einem kaputten Gewehr haben sind wir dann Fischen gegangen. Zuerst haben wir mit Würmern kleine Fische gefangen. Diese wurden dann zerschnitten und ihrerseits als Köder genutzt um Piranias zu fischen. 5 Stück haben wir bis zum Abend aus denn Wasser gezogen und noch ein paar Katzenfische. Genug für ein Abendessen.

Begleitet wurden wir seit dem ersten Tag von unserem Abenteuerhuhn Larissa, welches unsere Versicherung bei schlechten Fängen gewesen wäre. So hat sie bis am letzten Abend die Dschungeltour mit uns mit gemacht und ebenfalls viel Fisch und Reis gegessen. Das war vermutlich die schönste Zeit ihres Lebens,  allerdings auch dies hässlichste , als sie von Wilson nicht ganz tierfreundlich erwürgt wurde. Aber gut hat sie trotzdem geschmeckt.

Die letzte Nacht haben wir damit verbracht mir dem Rest des Dorfs die Bar leerzutrinken. So sehr hat sich die Familie über unser großzügiges gefreut. Der Bruder von Jasinto meinte sogar, er wolle sein kurz vor der Geburt stehendes Kind Valentin nennen. Nur zu! Und wer nicht in der Bar sitzt, sitzt im Kanu vor der Bar und lädt sich dort durch die Nacht treiben. Wie schön, wenn man nichts machen kann, außer auf das Ende des Hochwassers zu warten und Bier zu trinken. Und Tagsüber Kokosnussmilch...

Am nächsten Tag gings mit Boot, Taxi und Mototaxi völlig übermüdet zurück nach Iquitos. Dort haben wir noch bei Antonio zu Mittag gegessen. Natürlich Fisch mit Reis und gebratenen Bananen. Nach einem angenehmen Flug zurück nach Lima haben wir schlussendlich die Woche mit einem Luxusabendessen besiegelt.