Montag, 9. Juli 2012

Mexiko - das Ende naht...

Ich habe es geschafft! Ich bin in Mexiko. Es war zwar nicht geplant Zentralamerika zu überfliegen, aber hier bin in nun. Im Land der Tacos und Tortillas, des Tequila, der Sombreros, der VW-Käfer und der Heimat von Machete!
Leider bleiben mir nur 12 Tage. Viel zu wenig für ein Land mit so viel antiker und gegenwärtiger Kultur.
Nachdem ich in Mexiko City angekommen bin, habe ich mich gleich am nächsten Tag in den Bus nach Acapulco gesetzt.
Dass zwei Tage zuvor zwei Polizisten von einem anderen Polizisten im Flughafen erschossen wurden habe ich erst später erfahren. Aber hier tummelt es auch nur so von Polizisten und Militärs. Und die haben alle große Sturmgewehre. Und wo es so viele Waffen gibt, gibt es zwangsweise auch viele Tote. Die Gründe der Morde sind unterschiedlich - in Mexiko stehend aber fast immer die Drogenkartelle dahinter. Die amtierende Regierungspartei hat den Kartellen a la Kolumbien seit 12 Jahren den Kampf angesagt. Bisher erfolglos, was man erreicht hat, ist eine schier endlose  Gewaltspierale.
Die USA, wichtigster Waffenlieferant und Drogenabnehmer Mexikos, wollen gerne wissen, in wessen Hände ihre exportierten Tötungsmaschienen gelangen und haben wohl in einer Operation namens "Fast and Furious" bewusst Waffen an Kastelle geliefert um sie zu verfolgen. Nicht nur, dass die"laufenden" Waffen hunderte Mexikaner umgebracht haben - sie haben sich auch zurück gegen ihre heimlichen Exporteure gerichtet und US-Amerikaner getötet. Das kommentierte der mexikanische Präsident, welcher nicht in die Operation eingeweiht war in so weit: "Ihre Waffen kamen schnell und unsere Antwort war Furios."
Und dann ist da noch die Sache mit der Grenzstadt, welcher 2010 mehr Menschen ermordet wurden als im gleichen Zeitraum in ganz Afghanistan.
Jessica, Nikos Tochter, hat mich hier über Facebook mit ihrem Cousin Rodrigo in Verbindung gebracht. Er wohnt dort zusammen mit seiner Mutter Aurora, welche richtig gut kocht, und seiner Tante Zocorro, welche sich sehr über ihren deutschen Besuch gefreut haben und sich unglaublich fürsorglich um mich gekümmert haben. Ein kleiner Vorgeschmack aufs Heimkommen?
So habe ich Acapulco vom reichsten bis zum ärmsten Viertel vorgeführt bekommen. Laut Socorro hat die Stadt viel von ihren ehemaligen glamourösen Ruf eingebüßt. Es eine interessante Stadt mit breiten Sandstränden, aber einfach zu vielen Hochhäusern dahinter. Aber nicht fern vom Zentrum gibt es gleich malerische Sandstrände und Lagunen, zu welchen ich einen Ausflug mit Socorro gemacht habe. Besonders der nette Besitzer eines kleinen Restaurants auf der "Insel der Fischer" war mir ein gutes Fotomotiv...
Vergangenen Sonntag waren hier Wahlen.
Rodrigo arbeitet im Wahlkampf für einen Kandidaten der Grünen, welche hier allerdings konservativ sind und ein Wahlbündnis mit der PRI eingegangen sind, der Partei der institutionellen Revolution, welche Mexiko bis zum Jahr 2000 diktatorisch für über 70 Jahre regierte. Weder Rodrigo noch ich können diese Partei unterstützen, doch hoffte er natürlich, dass sein Arbeitgeber ins Parlament einziehen würde. So gingen wir mit großen Erwartungen schon früh am Morgen zu den Wahlkabinen. Im Verlaufe des Tages zeichnete sich ab, dass die PRI die nationalen Präsidentschaftswahlen tatsächlich gewinnen sollte - nicht aber die Wahl des Senators aus Acapulco. Somit war alles schief gelaufen, was schiefgehen konnte. Keine Wahlparty. Und Aurora kleidete sich die nächsten zwei Tage schwarz. Sie glaubt, dass die Drogenkartelle das Land mit der PRI Hand in Hand regieren werden.


Es war schwer mich von  Acapulco zu verabschieden, aber es war an der Zeit mit dem Nachtbus nach Puerto Escondido zu fahren. Hier unten ist die Pazifikküste so offen, dass der Strand Wellen zu bieten hat, wie ich sie so noch nie gesehen habe. Die Größe ist schwer zu schätzen, aber die Großen sind bestimmt 5m hoch - bei gutem Wetter. Es ist nicht einmal möglich raus zu schwimmen. Zu kraftvoll wird man von den Riesen überrollt. Sie kommen an, bäumen sich auf und werden immer spitzer und höher. Dann brechen sie und die Gischt dominiert den Strand. Hier surft die Weltspitze die sich sonst auf Hawaii trifft - ich sicher nicht.

Das Städtchen hat viel zu bieten. Es ist eine der günstigsten Regionen Mexikos und so konnte ich mir ein traumhaftes Privatzimmer im Dachgeschoss mit Balkon und Hängematte leisten. Eigentlich gab es keinen Grund die Hängematte zu verlassen. Doch der Hunger kann mich fast überall hin schleppen. Und essen kann man in Mexiko richtig gut. Abgesehen von den argentinischen Steaks und Empanadas ist die mexikanische Küche wohl die Beste meiner Reise. Und man bekommt im Restaurant auch immer seine Tortillas, sodass man sein Essen einrollen kann. Vorher gibt man natürlich Jalapeños dazu. Es gibt hier mehr Gerichte, als ich mir auf die Schnelle Namen merken kann.

Hier am Stadtstrand hat mich auch Francisco  bei einem Bier aufgegabelt. Er hat mich davon überzeugt, mit ihm Fischen zu gehen. Gefangen haben wir nichts. Aber dafür konnte mit einer Wasserschildkröte schwimmen!

Bevor ich meine Sachen packe gehe ich ein letztes Mal im Pazifik baden. Es wird das letzte Mal für lange Zeit sein. Wer weiss, wann ich dazu das nächste Mal die Möglichkeit habe. Ja, ich bin nun mal in der letzten Woche meiner Reise. Ein bisschen Wehmütig ist mir zumute, dass diese wunderbare Zeit nun bald zu Ende gehen wird. Aber ich freue mich ja auch schon wieder auf Zuhaus'.
Als ich den Nachtbus  nach Oaxaca bezahle merke ich wieder, dass ich in einer richtig günstigen Region bin. Ca. 8€. Und während ich stundenlang durch die mexikanische Nacht fahre, beobachte ich den Busfahrer, wie er den Schlaglöchern ausweicht. Und von denen gibt es endlos viele. Die ganze Nacht lang. Ich muss daran denken, wie viele tausend Kilometer ich jetzt schon in Bussen zurückgelegt habe. Gute Straßen waren stets die Ausnahme. Aber ich bin immer gut angekommen. Und auch wenn hier die besseren Busse von der Polizei eskortiert werden - es geht ja doch meistens alles gut. Die Mehrheit bekreuzigt sie auch brav bei der Abfahrt oder wenn wir an Kirchen oder Marienstatuen vorbeikommen. Da müssen wir ja gut ankommen! Und der günstige Bus, den ich für diese Nacht ausgewählt habe, hat auch einen Vorteil. Er hat zum Glück keine so potente Klimaanlage wie seine teureren Pendants. Diese Klimaanlagen haben mir sowieso schon einen Schnupfen eingebrockt. Wer eine hat lässt sie hier nämlich laufen. Auf Vollgas. Immer. Die ganze Nacht.

Die vorletzte Station meiner Reise ist Oaxaca. Eine wunderschöne Stadt, gutes Essen, nette Menschen und eindrucksvolle Ruinen. Die Altstadt lädt dazu ein einfach rumzuschlendern und Mole, eine regionale Spezialität, zu essen. Was mir an Mexiko sehr gut gefällt, ist, dass mir nicht die ganze Zeit Touristenpreise angeboten werden. Richtig angenehm und freundlich.


Monte Alban, DIE Sehenswürdigkeit Oaxacas, wurde als zeremonielle Stätte für Gebete, Opferungen und Märkte von den Zapotecos errichtet. Das indigene Volk gibt es noch immer (noch heute werden 16 verschiedene Sprachen im Distrikt Oaxaca gesprochen) ihre Kultur und Sprache droht allerdings verloren zu gehen, wie ich es schon in so vielen Regionen gesehen habe. Aber man kann den Menschen ja auch nicht vorwerfen, dass sie auch die Vorzüge der Moderne genießen möchten. Ihre antiken Rituale mit Grabbeigaben, Pyramitenartigen Konstruktionen, verschiedenen Göttern und der Ausrichtung nach Gestirnen erinnert mich sehr an die antiken Ägypter. Interessant, wie zwei Kulturen so wir voneinander entfernt so ähnliche Kulturen entwickelt haben.

Auch die Magie des Tule Baums habe ich mir nicht entgehen lassen. Seit über 2000 Jahren hat er alles überdauert. Heute ist er 58 Meter hoch, hat einen Stammdurchmesser von 14 Metern und wiegt 636 Tonnen. Er hat die antiken Kulturen genauso gesehen wie die Ankunft der Spanier. Und außerdem ist er das Zuhause Tausender Vögel und anderer Tiere.

1 Kommentar:

  1. hallo Valentin,
    also Skorpione auf dem Boden und Schlangen in der Hand bräucht ich nun nicht unbedingt aber leuchtenden Plankton und mit Meeresschildkröten schwimmen, das hat was,gigantisch!
    herzlichst
    Ingrid

    AntwortenLöschen