La Paz Entwürfe
10. Apr.
Da man sich in Bolivien auch mal Luxus gut leisten kann, haben wir uns dazu entschieden mit dem besten Nachtbus und "full cama" nah La Paz zu fahren. Was super anfing endete nach zwei Stunden abrupt mit einen explodierten Reifen. Nach vier Stunden nächtlicher Reparatur waren die Radmuttern wenngleich gelöst. Doch das entblößte Kugellager und die Achse zerfielen daraufhin in ihre rostigen Einzelteile. Folglich Ersatzbus. 10 Stunden unbequeme Sitze und Frieren in der Nacht des bolivianischen Hochlands. Genau so hab ich mir bolivianische Busse je auch eigentlich vorgestellt.
La Paz, die größte und wichtigste Stadt Boliviens liegt in einem Talkessel. Sie ist in den letzten 10 Jahren rasant gewachsen, was ab den lieblos hingeklatschten Backsteinhäusern außerhalb des Zentrums zu erkennen ist. Auch der Regierungssitz wurde von Sucre nach La Paz verlegt. Sucre bleibt aber offiziell die Hauptstadt. Hier treffen Moderne und Tradition aufeinander. Mit den entsprechenden Geld kann man hier eigentlich alles kaufen. Nur hat das fast niemand. Evo Morales, der amtierende Praesident hat mit grossen Wahlversprechen und mehr Rechten fuer die Indios 75% der Waehlerstimmen erlangen koennen. Mittlerweile scheint der Koka-Bauer allerdings sein wahres Gesicht gezeigt zu haben. Zugestaendnisse an die Indios macht er genau dann, wenn sie ihm etwas nuetzen. Auf der anderen Seite steht die Industrie, So moechte er eine grosse Strasse durch einen weitgehend unberuehrten Nationalpark bauen oder hat sich einen der teuersten Duesenjet bestellt. Korruption ist Alltag. Mittlerweile hat er wohl nurnoch 25% des Volkes hinter sich.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass hier sämtliche Menschen auf die Straße urinieren. Männer, Kinder und auch die traditionell gekleideten Frauen. Dazu gehen sie - egal wo - in die Hocke und urinieren unter ihren Rock. Und das ganze mitten in der Menschenmenge.
Zum Geburtstag habe ich mir die "World most dangerous Road" gegönnt. Vom leicht verschneiten Gipfel auf 4700m brettert man mit Mountainbikes auf fast tropische 1200m herunter. Außer ein paar Schürfwunden habe ich mir zum Glück keine ernsthafte Verletzung zugezogen. Nach ca. 10m hat mich meine blockierende Vorderbremse gleich mal über den Lenker katapultiert. Das war weniger schön, der Rest des Tages dafür genial! Allerdings sind die endlosen Kreuzte am Straßenrand schon bedenklich.
Eine weitere Attraktion, die man in La Paz keinstenfalls verpassen darf ist Cholitas Wrestling - traditionell gekleidete Frauen die so tun als ob sie sich die Birne einschlagen. Eine durchaus seltsame Unterhaltung, aber amüsant. Insbesondere die fliegenden Röcke sehen beim Kämpfen richtig gut aus. Jedoch war die Vorstellung teilweise so schlecht, dass ein großer Teil des Unterhalungswertes in der Amateurhaftigkeit bestand.
Was nun noch auf meiner to-do liste gefehlt hat war Paragliding. Da an diesem Tag niemand anderes fliegen wollte, hatte ich für wenig Geld mein privates Team, bestehend aus Pilot und Assistent. Glücklicherweise hatte der Pilot genau so viel Lust zum fliegen wie ich, so dass wir noch etwas auf bessere Verhältnisse gewartet haben und den größeren Schirm genutzt haben um länger in der Luft zu bleiben. Vom Gipfel konnten wir zirka noch weitere 400m mit der Thermik aufsteigen.
Dieses Gefühl war unglaublich. Insbesondere wenn man von einer Böe einfach hochkatapultiert wird oder spiralförmig in den Sinkflug geht.
Alles in allem ist La Paz eine interessante Stadt. Aber für mich dann doch etwas z laut und dreckig. Zeit weiter zu ziehen!