Sonntag, 17. Juni 2012

Cartagena - wunderschöne koloniale Stadt voller Kleinkrimineller

5 Tage habe ich im Hostel von Santa Marta vor mich hin vegetiert. Dank Emma war ich wenigstens die ganze Zeit gut mit Mango-Maracuya-Fruchtsäften versorgt. Dann hatte ich endlich kein Fieber mehr und es war an der Zeit weiter zu ziehen, auf nach Cartagena.
Die Altstadt von Cartagena ist wunderschön und voller farbiger kolonialer Bauten. Die feuchte Hitze macht das Leben hier allerdings recht anstrengend. Am Besten man macht's so wie die Einheimischen und macht alles etwas langsamer und vor Allem im Schatten.
Die Schönheit der Stadt ist allerdings auch ihr Fluch. In den hübschen Gässchen tummeln sich eine gefühlte Million Touristen. Und viele Einheimische haben ganz offensichtlich entschieden, dass sie auch ihren finanziellen Teil abhaben möchten. Das Problem ist die Art und Weise wir sie das anstellen. Wenn man hier nicht von morgens bis abends gut aufpasst wird man radikal übers Ohr gehauen. An jeder Ecke. Endloses aushandeln eines jeden Preises, denn jeder verkauft Alles zu sehr individuellen Preisen. Und moechte diese dann auch bezahlt bekommen.

Der Höhepunkt der Abzocke ist Playa Blanca. Ein eigentlich wunderschöner Stand auf einer der Rosario Inseln. Leider fängt die Touristenabzocke schon bei den Bötchen an, mit welchen man zum Stand kommt. Festgesetzte Preise gibt es natürlich nicht.
Dort angekommen staunen wir doppelt. Über den weißen Stand und das kristallklare Wasser genauso wie über die Horde von Menschen welche uns schon beim anlanden Austern, Massagen, Cocktails und Kettchen verkaufen wollte. Nach vier gratis Probemassagen und einigen Austern mit Limonen sind wir Strandabwärts geflohen. Erst als wir den Strand etwas herunter gelaufen waren, konnten wir dem Kommerz entkommen. Ja, hier gibt es auch nette Menschen, günstige Strandhütten und Ruhe. Man muss es nur finden. Wenn gegen Nachmittag dann wieder alle Boote mit der Touristenmeute zurück nach Cartagena fahren ist der Stand sogar richtig schön. Und die Kokosnusscocktails schmecken richtig gut.
Nachts offenbart dann das Karibische Meer hier ein ganz besonderes Geheimnis. Fluoreszierendes Plankton. Von außen nicht zu sehen muss man in der Dunkelheit baden gehen.  Sobald man sich im Wasser bewegt wird das Plankton zum leuchten animiert. Um den ganzen Körper herum schwimmen quasi tausende kleine Wasserglühwürmchen, sogar unten an den Füßen. Wir haben uns darüber gefreut wie kleine Kinder. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Wir waren einfach in diesem badewannentemperatur Wasser und haben vor Freude gelacht. Einzigartig! Leider lässt sich diese Erfahrung fotografisch nicht festhalten, diese Erfahrung habe ich nur in meinem Kopf abgespeichert.

An nächsten Tag kamen dann die Boote und die Touristen zurück und mit ihnen die Probleme. Natürlich hatten wir schon die Rückfahrt bezahlt, was die Leute aber nicht davon anhielt zu behaupten unser Boot sei voll und wir muessten erneut etwas zahlen. Sie wurden sogar geradezu aggressiv, als sie gemerkt hatten, dass wir das nicht mit uns machen lassen. Nach endlosen und recht aussichtslosen Disskussionen mussten wir damit drohen zur Polizei zu gehen. Nach der Drohung mit der Polizei war alles angeblich nur Spaß, sie meinten ich solle nicht so ernst sein. Daraufhin habe ich ihm erklärt, dass ich Deutscher bin und dementsprechend seeehr ernst. Das heißt aber nicht, dass das Thema damit erledigt war. Wieder wollte man uns nur gegen Zahlung auf die Boote lassen. So traurig es auch war, wir mussten uns im Endeffekt tatsächlich die Unterstützung eines Polizeibeamten holen. Erst dann konnten wir nach über 40 Minuten Diskussion an Bord eines Bötchens klettern. Wenn man hier nicht ganz gut aufpasst... Sie können einem fast den schönsten Stand ruinieren.
Die vorangegangenen fiebrigen Tage und der tägliche Kampf in Cartagena haben mich daran erinnert, was zu Hause alles besser ist. Und da gibt es unzählige Beispiele. So interessant und toll das Leben hier auch ist - es hat leider auch viele Schattenseiten.
So kommt es, dass ich das letzte Vorrundenspiel von Deutschland sogar in einer deutschen Bar geschaut habe und zu jedem Tor einen Jägermeister aufs Haus getrunken habe. Ein Stück Heimat in der Ferne. Und Kolumbianer in Deutschlandtrikots sind sowieso cool. So habe ich mir im Gegenzug auch ein Kolumbientrikot zugelegt. Vielleicht sind sie ja bei der nächsten WM dabei...
Morgen gehts nochmals auf zu einem der letzten Höhepunkte auf meiner Reise. Ein fünftägiger Segelturn mit einem Katamaran nach Panama. Die letzten Vorbereitungen sind gerade im Gange und ich kann es kaum mehr erwarteten! Bericht folgt!

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