In letzter Zeit habe ich hauptsächlich gezeltet. Das ist deutlich schöner und auch günstiger als ein Bett in einem Dorm. Zunächst war ich in el Calafate. Zurück in Argentinien. El Calafate ist sehr touristisch und hat als Stadt nicht viel zu bieten. Ich konnte jedoch nicht früher von dort verschwinden, da ich einenkleinen finanziellen Engpass hatte. Außerdem war der Bus, in welchem ich eigentlich einen Sitzplatz reserviert hatte, voll. So ist das hier. Dann muss man eben einen Tag warten. Aber ausfallen lassen war undenkbar. Es war der Bus in den Nationalpark zum Gletscher Perito Moreno. Und das Erlebnis war unvergleichbar. Alle anderen Gletscher die ich bisher gesehen hatte waren dagegen ein Witz. Die Abbruchkante des Gletschers ist schier endlos. Und gefühlte 50 Meter hoch. Auf Stegen vor dem Gletscher tummeln sich Touristen und warten darauf, das ein Stück des Gletschers mit Dingen abbricht und ins Wasser fällt. Das passiert hin und wieder, besonders an warmen Nachmittagen. Und dieses Ereignis versetzt alle in Staunen. Es hat sich gelohnt einen Tag auf den Bus zu warten. Außerdem habe ich auf den Campingplatz viele verrückte Fahrradfahrer kennen gelernt. Manche fahren einmal um ganz Südamerika, ein anderer mit den Fahrrad von Alaska nach Ushuaia. Dort erfährt man nochmal eine andere Wahrheit als die, die man mit dem Bus sieht. Sowohl meine Vorfreude auf die Karibik, als auch Befürchtungen wurden bestätigt. Insbesondere in Zentral Amerika gibt es Orte, an die man als Reisender nicht gehen sollte, wenn einem sein Leben etwas wert ist. Hier unten in Patagonien ist das zum Glück anders. Den Menschen geht es relativ gut, es gibt keine offensichtlichen Gewalt- oder Drogenprobleme. Auch alleine fühle ich mich nachts auf dem Straßen wohl. Dennoch sind die Menschen in den touristischen Orten nicht besonders liebevoll. Das ist aber auch gut nachvollziehbar. Die letzten zwei Tage war ich im Nationalpark "Los Glaciares" trekken. Wie auch im Torres del Paine gibt es hier wunderschöne Campingplätze und Wanderwege. Mit etwas Glück konnte ich am ersten Abend den Gipfel des Fitz Roy sehen. Als ich am nächsten Tag oben was gab es nur noch Wolken, starken Wind, Schneeregen und eine eises Kälte. Der Ausgangspunkt zum Nationalpark ist das Örtchen el Chalten. Dort war ich eine Nacht im Hostel. Noch ein paar mehr Nächte und ich hätte Hebräisch gelernt. Hier wuselt es nur so von Israelis. Die sind jeder einzelne für sich ganz nett, da sie aber stets in größeren Gruppen reisen, können sie recht laut und nervig werden. Die Argentinier und Chilenen können sie allerdings nicht ausstehen. Das liegt einfach daran, dass alle Israelis, männlich und weiblich 3 bzw. 2 jahre Militär hinter sich haben, ihre Freiheit nachholen müssen und wenn sie nicht nach Asien gehen, nach Südamerika kommen. Außerdem haben die hier so eine Art Schwaben-Ruf... Gerade sitze ich im Bus auf der Ruta 40, der Südamerikanischen Route 66. Nach 5 Stunden Schotterpiste fahren wir wieder auf asphaltierter Straße. Luxus! Heute sitze ich 14 Stunden im Bus, morgen noch mal 12. Das zumindest hat man mir gesagt... Und vor-, hinter-, und neben dem Bus Steppe. Und Wind. Sonst nichts.
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