Dienstag, 1. Mai 2012

Iquitos - Welcome to the jungle

Letzte Woche habe ich mich mit Ueli, einem Studienkollegen, im Chaos von Lima getroffen. Dort haben wir noch gemeinsam eine Nacht die Zivilisation genossen bevor wir uns in den Flieger nach Iquitos gesetzt haben. Iquitos ist dir größte Stadt der Welt, welche keine Anbindung ans Straßennetz hat. 500000 Menschen am Ursprung des Amazonas umgeben von endlosen Wassermassen, wilden Tieren, Moskitos und Dschungel.
Bereit für eine Woche Urwald? Fast - mein Gepäck ist dank meinem Campingkocher nicht durch den  Sicherheitscheck am Flughafen in Lima gekommen. Netterweise hat mir das die Stewardess gerade gesagt, als wir ins Flugzeug eingestiegen sind. Aber einen echten Abenteurer kann das natürlich nicht schocken. Das nötigste habe ich mir in Iquitos gekauft. Somit gabs eine Woche Dschungeltour mit einer Jogginghose, 2 T-Shirts, 5 paar Socken und 5 viel zu engen Unterhosen.
Am Flughafen hat uns Antonio abgeholt. Er ist ein bekannter von Uelis Vater und unser Guide. Es stelle sich heraus, dass er zwar hilfsbereit uns freundlich war, aber mindestens auch genau so unorganisiert. Fortbewegt haben wir uns mit dem Mototaxi seines Sohns, so eine Art dreiraedriges Motorrad mit Dächle. Nach einer Nacht in Iquitos haben wir an nächsten morgen unsere Gummistiefel abgeholt und uns ins Taxi nach Nauta gesetzt, welches wir nach 1,5h Fahrt vorbei an Fischzuchtfarmen und extensiven Bananenplantagen erreicht haben. Dort hat Antonio noch gekauft was er zuvor vergessen, hatte und dann gings auch schon los. Wir haben uns spaßeshalber noch Macheten zugelegt, was sich später allerdings als sehr wichtig herausstellte. Schließlich braucht man die im Urwald und Antonio hatte natürlich keine Machete dabei.

Unser Bötchenfahrer Jasinto, seine Frau Miriam und ihr Sohn Wilson haben uns per Boot ins 2 Stunden entfernte Libertad geschippert. Dort wohnen sie mit circa 50 anderen Familien am Ufer des Flusses Ucayali, welcher ein paar Meter unterhalb des Dörfchens mit einem anderen Fluss fusioniert und von dort an Amazonas heißt. Da hier immer noch Regenzeit ist, steht fast das ganze Gebiet unter Wasser, so auch das Dorf. Zum Glück haust man hier in Pfahlbauten. Doch selbst in den Hütten war der Boden überflutet, sodass sie einen zweiten, höheren Bretterboden hinein gelegt haben. Die Kinder freuts am meisten. Die Schule ist überschwemmt und der Unterricht ist seit über 2 Monaten ausgefallen. Dafür können sie im ganzen Dorf baden und mit ihren Einbäumen rumpaddeln.

Zum Abendessen gabs eines der zwei Hühnchen die wir dabei hatten. Genick durch, Federn runter, ausnehmen, zerteilen und in die Panne. Das geht so schnell, das es noch warm ist, bevor es auf den Herd kommt. Am Abend hat sich dann herausgestellt, dass und Miriam und Wilson ebenfalls auf unsere Dschungeltour begleiten werden. Als Köchin und Helfer für alle Fälle. Nach einer nicht besonders erholsamen, heißen Nacht unterm muffigen Moskitonetz sind wir mit unserem Team erst über Flüsse, dann querfeldein durch den Wald geschippert. Hier haben wir bereits verschiedene Affen, Papageien und Delfine gesehen. Ein Höhepunkt war sicherlich das Faultier, welches Wilson von circa 15m Hohe vom Baum gescheucht hat. Bei Gefahr lesen sich die Viecher einfach fallen - schließlich können sie zu Fuß nicht schnell fluchten. Faultiere sind steinhart, stinken, sehen lustig aus uns werden nicht besonders gern in der Hand gehalten. Um so froher war es, als es wieder an den Stamm gesetzt wurde. Das war im übrigen gar nicht so leicht, da es sich bereits an unser Boot gekrallt hatte.

Je länger wir auf der Suche nach einem brauchbaren brauchbaren Ort für unser Lager waren, desto stärker erhCrtete sich unser verdacht, dass weder Antonio noch Jasinto das Gebiet wirklich kannten. Nachdem wir einige Kreise gedreht hatten und mit unseren Macheten immer neue Schneisen als Verbindungen zwischen den Lagunen ins Dickicht geschlagen hatten, fanden wir schlussendlich ein Stückchen unüberschwämmten Wald. Hier haben wir unser recht einfaches, Abenteuerliches Camp aufgeschlagen. Für 2 Nächte sind wir an diesem Ort voller Moskitos uns anderer Insekten irgendwo im Nirgendwo geblieben.

Dort haben wir Taranteln, Skorpione, eine Schlange, gefährliche Riesenameisen und Kaimane gesehen. Einen Kaiman haben wir sogar für ein Foto aus den Wasser geholt. Natürlich hatte Antonio keinerlei Medikamente dabei, falls uns eines dieser Schmusetierchen angreifen sollte.

Nach der zweiten Nacht ging dann auch unser Wasser aus und wir mussten unseren Kaffee mit Amazonaswasser aufbrühen. Ohne Kaffeepulver ist dieses bereits braun und schmeckt schon modrig. Fein! Dazu gab es Fisch in rauen Mengen, da sich über 60 Flossentiere über Nacht in unseren Netz verfangen hatten. Bei dem Versuch die Fische zu fotografieren hat sich meine Kamera leider in deren natürliches Habitat begeben und hat danach mehr oder weniger den Geist aufgegeben. Zum Glück hatte Ueli auch einen Fotoapparat dabei, so könnten wir sich den Rest der Weiche festhalten.
Nach einigem Rumgeirre hatten wir dann nach 2 Nächten wieder den Weg nach  Libertad gefunden und erneut eingekauft, was Antonio vergessen oder falsch bemessen hatte. Danach gings weiter nach Pumayacu , einem Ort, den unser Guide immerhin kannte. Auf dem Weg dorthin mussten wir illegale Holzfäller beobachten, wie sie die Stämme der Urwaldriesen die Flüsse runtertreiben lassen. Ein gesamter Baum ist hier gerade mal 7€ wert, mehr nicht. Aber genug, dass jemand den Job gerne ausführt. Und verarbeitet ist das Holz dann bei uns tausend mal mehr wert.

Am anderen Ort angekommen haben wir ein neues Lager errichtet. Das Essen war jedoch bereits seit 3 Tagen mehr oder weniger das gleiche. Spiegeleier, gebratene Bananen, Fisch und Reis in verschiedenen Kombinationen morgens, mittags uns Abend. Gewürzt mit einer geben Kombination aus Salt und Salz. Nach erfolgloser Jagt mit einem kaputten Gewehr haben sind wir dann Fischen gegangen. Zuerst haben wir mit Würmern kleine Fische gefangen. Diese wurden dann zerschnitten und ihrerseits als Köder genutzt um Piranias zu fischen. 5 Stück haben wir bis zum Abend aus denn Wasser gezogen und noch ein paar Katzenfische. Genug für ein Abendessen.

Begleitet wurden wir seit dem ersten Tag von unserem Abenteuerhuhn Larissa, welches unsere Versicherung bei schlechten Fängen gewesen wäre. So hat sie bis am letzten Abend die Dschungeltour mit uns mit gemacht und ebenfalls viel Fisch und Reis gegessen. Das war vermutlich die schönste Zeit ihres Lebens,  allerdings auch dies hässlichste , als sie von Wilson nicht ganz tierfreundlich erwürgt wurde. Aber gut hat sie trotzdem geschmeckt.

Die letzte Nacht haben wir damit verbracht mir dem Rest des Dorfs die Bar leerzutrinken. So sehr hat sich die Familie über unser großzügiges gefreut. Der Bruder von Jasinto meinte sogar, er wolle sein kurz vor der Geburt stehendes Kind Valentin nennen. Nur zu! Und wer nicht in der Bar sitzt, sitzt im Kanu vor der Bar und lädt sich dort durch die Nacht treiben. Wie schön, wenn man nichts machen kann, außer auf das Ende des Hochwassers zu warten und Bier zu trinken. Und Tagsüber Kokosnussmilch...

Am nächsten Tag gings mit Boot, Taxi und Mototaxi völlig übermüdet zurück nach Iquitos. Dort haben wir noch bei Antonio zu Mittag gegessen. Natürlich Fisch mit Reis und gebratenen Bananen. Nach einem angenehmen Flug zurück nach Lima haben wir schlussendlich die Woche mit einem Luxusabendessen besiegelt.

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