Dienstag, 29. Mai 2012

Salento und Bogotá - Kaffeeparadies in den Bergen und die Hauptstadt

Salento ist ein eigentlich bedeutungsloses größeres Dörfchen mitten in Kolumbien, eingebettet zwischen saftig grünen Bergen. Und genau dass macht Salento so schön. Die Ruhe und die Natur. Klimatisch herrschten hier ideale Bedingungen um richtig feinen Kaffee anzubauen. Fruchtbarer Boden, genügend Wasser, niemals wirkliche Kälte aber kühle Nächte. Für 4 Nächte habe ich hier auf einer selbsternannten Öko-Farm gewohnt in mitten grüner Bäume und Wiesen. Hier habe ich mit Lotte, Naryan und Emma das Landleben voll ausgekostet. Wir waren einmal morgens in der Früh Kühe melken und zwei mal zu Pferde unterwegs. Mit der Reiterei habe ichs allerdings recht übertrieben und mir meinen Hintern im wahrsten Sinne des Wortes blutig geritten. Kommt davon wenn man's nicht gewohnt ist...

Ziel des ersten Ausritts war eine ökologische Kaffee-Finka. Hier würde uns der gesamte Prozess des Kaffeeanbaus und der Verarbeitung erklärt. Und zum Anschluss der Tour gabs einen Kaffee mit den selbsproduzierten Bohnen. Ein wahrer Genuss. Nach knapp 5 Monaten Reise der erste richtig gute Kaffee. Guter Kaffee ist Südamerika so schwer zu finden weil dieser fast vollständig exportiert wird. Aber hier wissen es die Menschen zu schätzen einen Teil selbst zu konsumieren. Im Kaffee am Dorfplatz gibt's sogar eine 107Jährige original italienische Espressomaschine. Und die wird selbstverständlicherweise immernoch benutzt.


Höhepunkt war der Ausflug ins Valle de Cocora. Alte, schöne Geländewagen aus den 50er Jahren (das normale Fortbewegungsmittel hier oben) fahren regelmäßig in dieses unwirkliche Tal voller Wachspalmen. Die Schönheit dieses atemberaubenden Ortes ist einzigartig. Die Wachspalme wird bis zu 70m hoch und wirkt mit ihrer Schlankheit fast unecht. Weiter hinten im Tal und höher in den Bergen gibt es wohl noch größere Palmen. Dort konnte man vor einigen jahren jedoch unbewaffnet nicht hingehen, da diese Gebiete fest in der Hand der FARC  waren. Erst hardliner Präsident Uribe, welcher 2002 an die Macht kam, konnte die Guerillas in die wirklich aller hintersten Winkel Kolumbiens zurückdrängen. Es gibt sie zwar immer noch - aber ihre Macht haben sie durch allgegenwärtige Militärpräsenz zu einen großen Teil verloren. Auch die einfachen Menschen, welche die FARK früher einmal unterstützt haben, haben ihre Meinung geändert. Die Rebellen sind fast nirgendwo mehr willkommen. Das heißt aber natürlich nicht, dass das Problem gelöst wurde. Es wurde vielmehr verschoben. Kolumbien ist leider immer noch weit davon entfernt ein Land ohne Korruption und Guerillas zu sein. Aber zumindest städtische Regionen sind recht sicher. Abgesehen von den "normalen" Ueberfällen, wie es sie hier in jeder Grossstadt gibt. Man könnte sich sogar richtig sicher fühlen, wenn man nicht wüsste, dasss e mehr gibt als man sieht. Der Grossteil der Bevoelkerung ist leider immer noch sehr arm.

Nach Salento habe ich mich in den Bus nach Bogotá gesetzt. Zurück in die Zivilisation. Zurück in den Lärm einer Großstadt. Am Terminal wurde ich gleich freundlich von Daniel, seinem Mitbewohner Carlos und einen weiteren Freund abgeholt. Gib dort aus sind wir direkt ins Kino gegangen. Man in Black 3 - in 3D. Ja, hier in Bogotá gibt es Shopping- und Erlebniscenter wie in Europa. Ausserdem gibt es hier richtig viel Kultur, für garantiert jeden Geschmack. Ein weiteres mal hat mich Kolumbien erstaunt. Hab ich wieder mal was dazu gelernt. Auch wenn es immer noch den Kampf gegen die Guerillas gibt, heißt das nicht, dass der Rest vom Land still steht. Für den Verkehr in Bogotá trifft das allerdings zu. Im Zentrum geht morgens und abends gar nichts.

Wenn man in Bogotá ist, darf man sich auf keinen Fall das Goldmuseum entgehen lassen. Die Bank von Kolumbien hat hier bereits über 34000 Gold-, meist Schmuckstücke zusammen gesammelt und stellt diese nun der ganzen Welt zur schau. Diese Sammlung ist sicherlich einzigartig und ein Beleg für die damalige Fortschrittlichkeit und den künstlerischen Sinn der indigenen Völker. Sie waren hervorragende Schmiede und Töpfermeister. Fur mich ist das interessante im Vergleich zu europäischen indigenen Zeugnissen, dass hier eine ganz andere Symbolik benutzt wurde. Fledermäuse, Frösche, Echsen und Vögel. Keine Löwen und Bären...

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