Mittwoch, 16. Mai 2012

Quito - la Mitad del Mundo

So weit habe ich es nun geschafft, del fin del mundo hasta la mitad del mundo (vom ende der Welt bis zur Mitte der Welt).
Im Bus dorthin habe ich Tatiana getroffen. Die Ecuadorianer sind wirklich sehr offen und freuen sich unheimlich Geschichten vom Reisen oder aus Europa zu hören. Für sie ist es kaum zu glauben, dass ich ein halbes Jahr ohne Familie oder Freunde unterwegs bin. Die Bindung zur Familie ist hier so stark, das man es sich kaum vorstellen kann längere Zeit wegzugehen. Tatiana hat zum Beispiel noch nie ihr Land verlassen. Das ist aber natürlich auch eine Frage des Geldes. Sie verdient zum Beispiel keine
350 Euro - mit Marketingstudium.
22km nördlich von Quito verläuft der Äquator. Auf unserer Erde gibt es nun natürlich viele Kilometer Äquator, da mag man sich fragen, was ab diesem so speziell ist. Der Grund ist die Hohe über dem Meer. Nur hier war es Charles-Marie de la Condamine bereits 1736 gelungen den Äquator mit aufwendigen Messungen zu bestimmen. An allen anderen Stellen des Äquators war dies zuvor nicht möglich gewesen, da er sonst immer durch Regenwälder oder Ozeane verläuft. Als ich also mit Bram Sonntag Nachmittag  den Äquator bestaunen war, mussten wir feststellen das Ecuadorianer auch gerne zu Scharen - insbesondere am Muttertag - die Mitte der Welt bestaunen. Schade nur, das sich die Mission von 1736 um knapp 300m geirrt hat. Um so spaßiger sind dann auch die Experimente, welche verschiedene Museen direkt auf ihrem jeweiligen Äquator vorführen. Angeblich sich anders herum drehende Toilettenspülungen nördlich und südlich des Äquators oder Becken, welche aufgrund ihrer angeblichen Lage auf dem Äquator keinerlei Drehrichtung aufweisen. Jaja, die Corioliskraft, funktioniert sie doch leider nur in größeren Dimensionen...

Der tatsächliche Äquator verläuft dann jedoch entlang der Hauptstraße und schneidet auch ein Restaurant. Somit konnten wir ein Bier auf den tatsächlichen Äquator trinken fernab vom restlichen Trubel. Doch selbst hier gab es ein "Experiment" zum Selbstversuch. Das "ganz normale" Ei, das auf dem "ganz normalen" Tisch, welcher auf dem Äquator steht, aufrecht hingestellt werden kann. Und während wir uns noch freuen, dass das Ei endlich ausbalanciert ist, kommt ein älterer Herr um die Ecke und flippt fast aus vor Erstaunen. Sämtliche Fotos werden geschossen, seine Frau eilig dazu geholt. Sie kann es nicht glauben und stößt unser mühsam ausbalanciertes Ei um - und macht sich an die Arbeit den Äquator erneut per "Ei-Methode" zu finden. Als sie es geschafft hat, kam sie aus ihren eigenen Staunen kaum mehr raus und wollte, sobald sie sich etwas beruhigt hatte, jede Menge Fotos mit den lustigen Gringos und dem Äquatorei. An diesem Nachmittag waren wir eindeutig die Attraktion im Restaurant und jeder durfte sein Gringo-Foto machen.

Sehr auffällig ist, dass das Leben im hochgelegenen Quito zwar in vielen Fallen dem Leben im bolivianischen oder peruanischen Hochland ähnelt, die Menschen aber viel offener, interessierter und somit freundlicher zu Fremden sind. Somit war die tatsächliche Mitte der Welt wesentlich lustiger, als das riesige touristische Monument, welches nicht mal am richtigen Ort steht. Im Übrigen haben sogar die Ureinwohner vor über 1000 Jahren schon den Äquator bestimmt und zwar im Gegensatz zur französischen Mission korrekt...
Ansonsten angesehen von einigen prächtigen Kirchen hat Quito meiner Meinung nach nicht allzuviel zu bieten. Es ist vermutlich die gefährlichste Stadt die ich bisher bereist habe. Man wird einfach sehr in seiner Freiheit eingeschränkt, wenn man nach Sonnenuntergang, um 18 Uhr nicht mehr alleine durch die Stadt laufen sollte. Hinzu kommt, das circa 30% der Autos und Taxis kein Nummernschild haben. Das macht die Sache nicht vertrauenswürdiger...

Allerdings ist Quito von Bergregenwäldern oder Nebelwäldern umgeben. Das sind wunderbare und unheimlich diverse Wälder, welche einen aufgrund der Berglage und der hohen Luftfeuchtigkeit allerdings ziemlich ins Schwitzen bringen. In dieser schönen Natur war ich mit Bram Ziplining machen - an Stahlseilen über grüne Schluchten fliegen. Einzigartig!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen